Stell dir vor, du sitzt im Jahr 3000 v. Chr. an einem Flussufer in Mesopotamien. Du mischst etwas Hanfsamenmehl mit deinem täglichen Bierausschlag. Plötzlich wird die Welt ein bisschen weicher, die Farben intensiver. Warst du dann der Erste, der „high“ war? Diese Frage klingt wie eine Fangfrage aus einer Party-Diskussion, aber sie berührt eines der tiefsten Geheimnisse der menschlichen Kulturgeschichte.
Die kurze Antwort lautet: Wir wissen es nicht genau. Es gab keine Kamera, kein Tagebuch und keinen Gerichtsprozess, der dokumentiert hat, dass Person X am Tag Y als Erster den Rauschzustand durch Cannabis erlebte. Aber wenn wir uns die Archäologie, die alten Texte und die Chemie ansehen, können wir das Bild sehr viel schärfer machen. Und ja, dabei spielt Cannabis-Bier - oder besser gesagt, hanfhaltige Getränke - eine zentrale Rolle.
Warum es keinen „Ersten“ gibt
Um zu verstehen, warum diese Frage so schwer zu beantworten ist, müssen wir erst mal einen Begriff klären: Was bedeutet „stoned“ oder „high“ überhaupt? Heute denken wir an THC (Tetrahydrocannabinol), den psychoaktiven Wirkstoff in modernem Marihuana. Aber unsere Vorfahren kannten keine chemischen Formeln. Sie kannten Pflanzen.
Wenn eine Pflanze eine Wirkung hatte - ob beruhigend, halluzinogen oder euphorisierend -, nutzte man sie. Der Übergang vom zufälligen Konsum zur bewussten Nutzung war wahrscheinlich fließend. Vielleicht hat ein Sammler vor zehntausend Jahren einfach nur Hunger gehabt, Hanfsamen gegessen und merkte: „Hm, das macht mich müde.“ Oder jemand hat versehentlich Blüten statt Samen verarbeitet und staunte über die leichte Schwindelgefühle.
Archäologen finden oft Hinweise auf Cannabiskonsum, aber selten Beweise dafür, wer genau wann zum ersten Mal bewusst high wurde. Stattdessen sehen wir Muster: In vielen frühen Kulturen taucht Hanf fast gleichzeitig mit Ackerbau und Braukunst auf. Das ist kein Zufall.
Hanf in der Antike: Mehr als nur Fasern
Wir neigen dazu, Hanf nur mit zwei Dingen zu verbinden: Seilen und Joint. Doch für die Menschen in der Bronzezeit war Hanf eine Allzweckwaffe. Man stellte daraus Kleidung her, baute damit Häuser und nutzte die Fasern für Netze. Aber die Pflanze bot noch mehr.
In China findet sich der früheste schriftliche Hinweis auf die medizinische Nutzung von Cannabis im Shennong Bencao Jing, einem Kräuterlexikon aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. Dort wird beschrieben, dass weibliche Pflanzen stärker wirken als männliche. Das zeigt: Man hatte schon damals beobachtet, dass bestimmte Teile der Pflanze andere Effekte hatten. Ob das jetzt „stoned“ war, steht auf einem anderen Blatt. Wahrscheinlich ging es eher um Schmerzstillung oder Entspannung.
Aber schauen wir weiter westwärts. Im alten Ägypten und Mesopotamien war Hanf ebenfalls bekannt. Hier kommt das Bier ins Spiel.
Das erste Cannabis-Bier? Brauen mit Hanf
Bier ist eine der ältesten alkoholischen Getränke der Menschheit. Schon vor 9.000 Jahren brauten Menschen in der Levante Getrekebreue. Später kamen Honig, Früchte und Gewürze hinzu. Warum sollte da nicht auch Hanf vorkommen?
Es gibt starke Hinweise darauf, dass Hanf in frühen Brauprozessen verwendet wurde. Nicht unbedingt als Hauptzutat, sondern als Geschmacksgeber oder sogar als Hopfen-Ersatz. Hopfen kam erst später nach Mitteleuropa. Vorher wurden sogenannte „Gruit“-Mischungen verwendet - Kräutergemische, die oft Wacholder, Efeu, Salbei und eben auch Hanf enthielten.
Stell dir vor, du bist ein Sumerer im Jahr 2500 v. Chr. Du hast eine Braustätte. Um die Gärung zu steuern und den Geschmack zu verbessern, wirfst du Handvoll Hanfblüten in den Sud. Das Ergebnis? Ein leicht bitteres, herb-würziges Getränk mit einer leichten betäubenden Wirkung. Trinkt man davon drei Krüge, fühlt sich alles etwas schwerer an. Ist das der erste dokumentierte Fall von „stoning“ via Bier? Vielleicht nicht offiziell, aber praktisch gesehen: Ja.
Interessant ist, dass THC fettlöslich ist. Wenn man Hanfblüten direkt in wässrige Lösungen wie Tee oder Bier gibt, gehen nur geringe Mengen an Wirkstoffen über. Alkohol hingegen löst THC besser. Ein hanfhaltiges Bier könnte also tatsächlich psychoaktiv sein - besonders wenn es lange gekocht oder extrahiert wurde.
| Merkmale | Antikes Hanfbier / Gruit | Modernes Cannabis-Bier (2026) |
|---|---|---|
| Wirkstoffquelle | Ganze Blüten, Samen, Blätter | Isoliertes THC/CBD-Extrakt |
| Verarbeitungsweise | Kochen im Sud, natürliche Extraktion | Mikronisierung, Emulgierung |
| Wirkungsstärke | Niedrig bis mittel, unvorhersehbar | Präzise dosiert (z.B. 5-10 mg THC pro Dose) |
| Rechtlicher Status | Keine Regulierung | Stark reguliert (je nach Land/Bundesland) |
| Zielgruppe | Allgemeine Bevölkerung, religiöse Zeremonien | Eingeschränktes Alter (oft 18+), Genusskonsumenten |
Religion, Ritual und Rausch
Wenn wir nach dem „ersten Stoned“ suchen, sollten wir auch an Orte blicken, wo Rausch rituell eingesetzt wurde. Bei den Scythiern, einem Reitervolk im heutigen Russland und Ukraine, fand Herodot im 5. Jahrhundert v. Chr. einen interessanten Brauch: Sie warfen Hanfsamen auf glühende Steine in ihren Zelten und atmen den Dampf ein. Er beschrieb, wie sie vor Freude schrien - ähnlich wie beim Saunieren.
Das war kein Bier, aber es war kontrollierter Cannabiskonsum mit klarer Absicht: Euphorie erzeugen. Ähnliche Praktiken gab es bei indigenen Völkern in Nordamerika und Asien. Oft waren diese Rituale spirituell geprägt. Der Rausch war kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, um näher an die Götter zu kommen.
In Indien gilt Shiva als Gott des Hanfes. Bis heute rauchen Anhänger Hashish-Zigaretten („Bhang“) während Festivals wie Holi. Auch hier: Keine Aufzeichnung darüber, wer der Erste war. Aber die Kontinuität der Praxis über Jahrtausende hinweg spricht für sich.
Warum die Frage trotzdem wichtig ist
Du fragst vielleicht: „Okay, cool, aber was bringt mir das?“ Die Antwort ist simpler, als du denkst. Indem wir zurückblicken, erkennen wir, dass Cannabis nie wirklich neu war. Es war immer Teil unserer Kultur - nur manchmal untergetaucht, verboten oder stigmatisiert.
Heute erleben wir eine Renaissance. In Deutschland ist seit April 2024 der Besitz von bis zu 25 Gramm Cannabis legal. In den USA verkaufen Läden edle Cannabis-Weine und -Biere. In Kanada gibt es legale Dispensaries mit hunderten Sorten. Und in Europa entstehen Startups, die THC-haltige Softdrinks herstellen.
Wenn du also heute dein erstes Cannabis-Bier trinkst, bist du nicht der Erste. Du schließt einen Kreis, der vor tausenden Jahren begonnen hat. Nur dass deine Version jetzt getestet, dosiert und vielleicht sogar vegan ist.
Fazit: Kein Held, viele Pioniere
Es gab keinen einzelnen Menschen, der als Erster „stoned“ war. Es gab vielmehr Generationen von Neugierigen, Heilern, Priestern und Handwerkern, die experimentierten. Manche taten es aus Notwendigkeit, andere aus Spiritualität, wieder andere aus reinem Vergnügen.
Und ja, einige von ihnen haben dabei sicher auch etwas Hanf in ihr Bier geworfen. Ob sie dabei lachten, sangen oder einfach nur still saßen - das wissen wir nicht. Aber ihre Spuren sind da. In alten Texten, in archäologischen Funden und in der DNA unserer heutigen Cannabis-Kultur.
Also nächstes Mal, wenn du ein Glas Cannabis-Bier in der Hand hältst: Denk daran. Du trägst Geschichte in deinem Glas. Und das ist cooler, als jeder Rekord zu sein.
Wer war historisch der erste Mensch, der Cannabis konsumierte?
Es gibt keine historischen Aufzeichnungen, die den exakten ersten Konsumenten identifizieren. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass Hanf bereits vor über 10.000 Jahren genutzt wurde, zunächst wahrscheinlich für Fasern und Samen. Psychoaktive Nutzung lässt sich ab der Bronzezeit vermuten, insbesondere in Asien und Europa.
Gab es in der Antike Cannabis-Bier?
Ja, indirekt. Bevor Hopfen weit verbreitet war, verwendeten Brauer Kräutermischungen namens „Gruit“, die oft Hanf enthielten. Diese Getränke konnten aufgrund der Fettlöslichkeit von THC in alkoholischer Lösung psychoaktive Eigenschaften haben, auch wenn die Dosierung ungenau war.
Wie wirkt sich Hanf im Bier aus?
Hanf kann dem Bier einen erdigen, nussigen oder leicht würzigen Geschmack verleihen. Enthält das verwendete Material THC, kann dies bei ausreichender Extraktion und Alkoholkonzentration zu einer leichten Beruhigung oder Euphorie führen. Moderne Produkte nutzen isolierte Extrakte für präzisere Wirkungen.
Ist Cannabis-Bier heute legal?
In vielen Ländern ja, jedoch stark reguliert. In Deutschland ist der private Anbau und Besitz erlaubt, der Verkauf von THC-haltigen Lebensmitteln bleibt eingeschränkt. In den USA und Kanada sind kommerzielle Cannabis-Getränke in bestimmten Bundesstaaten bzw. Provinzen legal erhältlich. Immer prüfen, welche lokalen Gesetze gelten.
Warum war Hanf in alten Kulturen so wichtig?
Hanf war eine Multitalent-Pflanze: Fasern für Textilien und Seile, Samen als Nahrung, Blüten und Harz für Medizin und Rituale. Seine Vielseitigkeit machte ihn zu einer Schlüsselpflanze in frühen Agrargesellschaften, lange bevor seine psychoaktiven Eigenschaften vollständig verstanden wurden.
Kann man heute selbst Cannabis-Bier brauen?
Theoretisch ja, aber es ist technisch anspruchsvoll. THC ist nicht wasserlöslich, daher muss man spezielle Techniken wie Emulgierung oder Fetteinsatz verwenden, damit der Wirkstoff im Körper aufgenommen wird. Für Laien empfehlen sich fertige Extrakte oder Kits, die speziell für die Herstellung von Cannabis-Getränken entwickelt wurden.
Welche Risiken hat der Konsum von Cannabis-Bier?
Da THC über die Leber verarbeitet wird, wirkt es langsamer und länger als bei Rauchen. Das kann zu unerwartet starken Effekten führen, wenn man zu schnell nachtrinkt. Außerdem kombiniert sich THC mit Alkohol synergistisch - beide Substanzen potenzieren sich gegenseitig. Daher gilt: Weniger ist mehr, und niemals Auto fahren.
Gibt es wissenschaftliche Belege für antiken Cannabiskonsum?
Ja, mehrere Studien analysierten Mumienhaare, Keramikreste und Knochenfunde. So fanden Forscher in chinesischen Gräbern aus der Zeit um 500 v. Chr. Brandspuren von Hanf. In Europa zeigen Isotopenanalysen, dass Hanfbestandteile in alten Trinkgefäßen nachweisbar waren. Diese Daten unterstützen die These eines frühen, ritualisierten Konsums.