Wenn du in einer Kneipe in Hamburg oder auf einem Festival in Berlin von jemandem hörst, dass er sich ein Stück Wax besorgt hat, dann geht es nicht um Kerzenwachs. Es geht um Cannabis-Konzentrat - und das hat in der Szene eine ganze eigene Sprache. Die Begriffe, die dafür verwendet werden, klingen wie ein Code: Shatter, Wax, Budder, Live Resin, Crumble - jeder hat seine eigene Konsistenz, Herstellung und Wirkung. Aber was steckt wirklich dahinter? Und warum benutzen Menschen diese Begriffe statt einfach zu sagen: „Cannabis-Öl“?
Was ist Cannabis-Konzentrat überhaupt?
Cannabis-Konzentrat ist kein normaler Blütenstoff. Es ist das, was übrig bleibt, wenn du die Cannabinoide und Terpene aus der Pflanze herausholst - und zwar mit hohem Reinheitsgrad. Während normales Marihuana etwa 15-25 % THC enthält, kann ein gutes Konzentrat leicht 70-90 % erreichen. Das macht es viel stärker, aber auch viel gezielter. Es wird nicht geraucht wie Blüten, sondern meist mit einem Dab-Rig oder einem Vaporizer inhaliert. Manche mischen es auch in E-Liquids für Vapes, oder verwenden es als Tropfen unter die Zunge.
Die gängigsten Slang-Begriffe - und was sie wirklich bedeuten
Die Slang-Begriffe für Cannabis-Konzentrate sind nicht willkürlich. Sie beschreiben oft die Textur, die Herstellung oder sogar den Effekt. Hier die wichtigsten:
- Shatter: Sieht aus wie Glas oder Honigwachs. Durchsichtig, brüchig, bricht in klaren Stücken. Wird oft durch Butanextraktion hergestellt (BHO). Hält sich gut, wenn es kühl und dunkel gelagert wird.
- Wax: Weicher, wachsartiger Brocken. Nicht durchsichtig, eher milchig oder gelblich. Entsteht, wenn Shatter durch Wärme oder Bewegung verändert wird. Einfacher zu dosieren, aber weniger haltbar.
- Budder: Wie Creme oder Butter. Weich, cremig, leicht zu verarbeiten. Entsteht durch Rühren während der Extraktion - dadurch wird die Struktur verändert. Beliebt bei Anfängern, weil es nicht so leicht verschmiert wie Wax.
- Crumble: Auch „honeycomb“ genannt. Bröselig, trocken, wie Keksbruch. Hat eine hohe Terpen-Konzentration und einen starken Geruch. Wird oft aus frischen, nicht getrockneten Blüten hergestellt.
- Live Resin: Nicht aus getrockneten Blüten, sondern aus frisch geernteten Pflanzen. Das bewahrt die Terpene besser - und damit den Geschmack. Ist teurer, aber auch aromatischer. Wer sagt „Live Resin“, meint meistens: „Das schmeckt wie frische Blüten.“
- BHO: Steht für Butan Hash Oil. Ist kein Produkt, sondern ein Verfahren. Viele Shatter- und Wax-Produkte sind BHO. Aber nicht alle BHO-Produkte sind gleich - manche sind schlecht gereinigt und enthalten Rückstände.
Die Begriffe sind nicht nur Beschreibungen - sie sind auch ein Qualitätsindikator. Wer „Shatter“ sagt, erwartet Reinheit. Wer „Budder“ sagt, sucht Benutzerfreundlichkeit. Wer „Live Resin“ nennt, will den vollen Geschmack. Es ist wie bei Wein: Ein „Pinot Noir“ sagt mehr als „roter Wein“.
Warum gibt es so viele Slang-Begriffe?
Weil Cannabis-Konzentrate nicht wie Bier oder Wein reguliert sind. Es gibt keine offiziellen Klassifizierungen. Kein Gesetz sagt: „Shatter muss mindestens 75 % THC enthalten.“ Deshalb hat sich die Szene selbst eine Sprache gebaut - als Orientierungshilfe und als Schutz. Wenn du in einer Apotheke „Cannabis-Öl“ bestellst, bekommst du wahrscheinlich ein niedrig dosiertes Tropfenprodukt. Wenn du in der Szene „Shatter“ sagst, weiß jeder, dass du etwas Starkes, Reinheitssuchendes meinst.
Auch aus rechtlichen Gründen wird der Slang genutzt. In Deutschland ist der Besitz von Cannabis-Blüten in geringen Mengen seit 2024 de facto toleriert - aber Konzentrate fallen unter andere Regeln. Wer „Wax“ sagt, vermeidet es, direkt von „Cannabis-Extrakt“ zu sprechen. Es ist ein sozialer Schutzmechanismus. Niemand sagt „ich nehme THC-Öl“ - sondern „ich dabbe“ oder „ich hab was von meinem Freund“.
Was ist mit Cannabis-Bier? Ist das auch ein Konzentrat?
Nein. Cannabis-Bier ist etwas völlig anderes. Es wird nicht aus Konzentrat hergestellt. Stattdessen wird meist CBD-Extrakt oder CBD-Öl dem Bier während der Abfüllung zugesetzt - und zwar in Mengen, die unter 0,2 % THC liegen. Das macht es legal, aber auch sehr viel schwächer. Du trinkst es wie normales Bier - aber ohne Rausch. Es ist kein Konzentrat, sondern ein Getränk mit Zusatzstoff. Wer Cannabis-Bier mit Shatter oder Wax verwechselt, versteht die Wirkung nicht. Ein Shatter-Dab wirkt in 30 Sekunden. Ein Cannabis-Bier braucht 60-90 Minuten - und selbst dann ist der Effekt meist nur leicht entspannend.
Wie erkennt man gute Qualität?
Ein guter Shatter ist klar wie Glas und bricht sauber. Wenn er trüb ist, könnte er schlecht gereinigt sein. Ein guter Live Resin riecht intensiv - nach Zitrone, Erde oder Kiefer. Wenn er nach Chemie riecht, ist etwas schiefgelaufen. Wax sollte nicht kleben wie Klebstoff - wenn er sich an deinem Werkzeug festsetzt, ist er zu heiß oder zu schlecht verarbeitet worden.
Die beste Qualität kommt aus kontrollierter Herstellung - und das bedeutet Laboranalysen. In Deutschland gibt es keine offiziellen Testlabore für Cannabis-Konzentrate, aber viele Anbieter aus Österreich oder den Niederlanden liefern Zertifikate. Frag nach dem COA - Certificate of Analysis. Darin steht: THC-Gehalt, Pestizide, Lösungsmittelrückstände. Wenn jemand sagt „keine Chemie“, aber keinen COA zeigt, ist das ein Warnsignal.
Was ist mit dem Risiko?
Die meisten Probleme mit Konzentrat kommen nicht vom Produkt selbst, sondern von der Herstellung. Butanextraktion ist gefährlich - wenn sie nicht in geschlossenen Systemen passiert, kann es zu Explosionen kommen. In den USA sind in den letzten Jahren mehrere Labore durch schlecht durchgeführte Extraktionen abgebrannt. In Deutschland ist die Herstellung von Konzentrat illegal - auch wenn der Besitz in manchen Fällen geduldet wird.
Ein weiteres Risiko: falsche Dosierung. Wer ein Stück Shatter nimmt, das 85 % THC enthält, und es wie eine Zigarette raucht, hat bald Probleme. Der Effekt ist so stark, dass er zu Angst, Schwindel oder sogar Halluzinationen führen kann. Anfänger sollten immer mit winzigen Mengen anfangen - so klein wie ein Reiskorn.
Was kommt als Nächstes?
In den nächsten Jahren wird sich die Sprache verändern. Wenn Cannabis in Deutschland legalisiert wird - wie es 2025 diskutiert wird - wird es auch offizielle Bezeichnungen geben. Dann wird „Shatter“ vielleicht zu „Cannabis-Extrakt Typ 1“ werden. Aber bis dahin bleibt der Slang die Sprache der Praxis. Er ist präzise, schnell und versteht sich ohne Erklärung. Wer ihn beherrscht, weiß, was er bekommt. Wer ihn nicht kennt, läuft Gefahr, etwas zu kaufen, das er nicht versteht - oder zu viel davon zu nehmen.
Es ist kein Zufall, dass die Begriffe aus der Szene kommen - sie sind das Ergebnis von Erfahrung, Experiment und Überleben. Sie sind nicht nur Slang. Sie sind Wissen in Kurzform.
Ist Shatter dasselbe wie Dab?
Nein. Shatter ist eine Form von Cannabis-Konzentrat - also das Material. Dab ist die Methode, es zu konsumieren: Ein kleines Stück Shatter wird auf eine heiße Platte gelegt und der Dampf eingeatmet. Man kann auch Wax dabben, oder Live Resin. Dab ist der Akt, Shatter ist der Stoff.
Kann man Cannabis-Konzentrate auch essen?
Ja, aber nicht direkt. Shatter oder Wax sind nicht für den Verzehr geeignet - sie enthalten Lösungsmittel und sind nicht verdaulich. Man kann sie aber in Fett oder Öl auflösen - zum Beispiel in Butter oder Kokosöl - und dann in Kekse oder Gummibärchen verarbeiten. Das nennt man dann „Cannabutter“ oder „Edibles“. Aber das ist eine andere Anwendung - und braucht genaue Dosierung.
Warum ist Live Resin teurer als Shatter?
Weil es aus frischen, nicht getrockneten Blüten hergestellt wird - das ist aufwendiger. Die Pflanzen müssen sofort nach der Ernte verarbeitet werden, sonst verlieren sie ihre Terpene. Das erfordert spezielle Ausrüstung, kältere Temperaturen und mehr Zeit. Außerdem ist die Ausbeute geringer. Deshalb kostet Live Resin oft das Doppelte von Shatter.
Ist Cannabis-Konzentrat legal in Deutschland?
Der Besitz von Cannabis-Konzentraten ist in Deutschland rechtlich grau. Während Blüten in geringen Mengen (bis 25 Gramm) seit 2024 nicht mehr strafbar sind, fallen Konzentrate unter das Betäubungsmittelgesetz. Der Besitz ist also technically illegal, wird aber in der Praxis oft nicht verfolgt - besonders wenn es für persönlichen Gebrauch ist. Der Verkauf oder die Herstellung bleibt aber strafbar.
Wie lange hält Cannabis-Konzentrat?
Wenn es kühl, dunkel und luftdicht aufbewahrt wird, hält es bis zu zwei Jahre. Shatter und Crumble halten am längsten. Wax und Budder können nach einigen Monaten anfangen, zu verklumpen oder zu verlieren. Am besten lagern Sie es im Kühlschrank - aber nicht im Gefrierfach, denn das macht es brüchig. Ein kleines Glas mit Silikagel-Beutel ist ideal.