Kann man durch zu viel THC krank werden? Alles zu Cannabis-Getränken und dem 'Greening Out'

Kann man durch zu viel THC krank werden? Alles zu Cannabis-Getränken und dem 'Greening Out'

Stell dir vor, du probierst ein neues Cannabis-Getränk, es schmeckt super und du fühlst dich entspannt. Doch plötzlich schlägt die Stimmung um: Dein Herz rast, dir wird flau im Magen und die Welt beginnt zu drehen. Was gerade passiert, ist kein klassischer Infekt, sondern eine Überreaktion deines Körpers auf zu viel Wirkstoff. Die kurze Antwort auf die Frage, ob man durch ein „High“ krank werden kann, lautet: Ja, man kann sich körperlich und psychisch sehr schlecht fühlen, auch wenn es keine dauerhafte Krankheit im medizinischen Sinne ist.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ein „Greening Out“ führt oft zu Übelkeit, Schwindel und Panikattacken.
  • Cannabis-Getränke wirken verzögert, was das Risiko für eine Überdosierung erhöht.
  • Die Symptome sind meist harmlos, fühlen sich aber im Moment extrem beängstigend an.
  • Wasser, frische Luft und Ruhe sind die besten Mittel gegen ein zu starkes High.
  • Eine echte medizinische Notlage ist selten, aber bei Herzproblemen oder schweren Panikattacken ratsam.

Warum Cannabis-Getränke tückisch sein können

Wenn man Cannabis raucht, merkt man fast sofort, ob die Wirkung zu stark ist. Bei Getränken ist das anders. Cannabis-Getränke ist eine Form des Konsums, bei der THC-Wirkstoffe in einer flüssigen Lösung vorliegen und über den Verdauungstrakt aufgenommen werden. Da die Flüssigkeit erst durch den Magen und die Leber muss, vergeht oft eine Zeitspanne von 30 bis 90 Minuten, bis die Wirkung voll einsetzt.

Das Problem ist das sogenannte „Nachdosieren“. Viele Leute trinken ein Glas, merken nach 20 Minuten nichts und denken: „Das Zeug wirkt ja gar nicht“. Sie trinken ein zweites oder drittes Glas. Genau in diesem Moment beginnt das erste Getränk zu wirken. Wenn dann die weiteren Portionen nachziehen, schießt der THC-Spiegel im Blut steil nach oben. Das führt oft direkt in den Bereich der Überdosierung, den man in der Community als „Greening Out“ bezeichnet.

Was passiert beim Greening Out?

Ein Greening Out ist im Grunde ein Zustand, in dem das Gehirn und der Körper mit der Menge an THC überfordert sind. Das THC (Tetrahydrocannabinol) bindet sich an Rezeptoren im Gehirn, aber auch im Gleichgewichtsorgan und im Magen-Darm-Trakt. Wenn diese Rezeptoren überflutet werden, treten typische Symptome auf, die man oft mit einer echten Krankheit verwechselt.

Die körperlichen Reaktionen sind oft heftig. Viele erleben eine plötzliche Blutdrucksenkung, was zu Schwindel und einem Gefühl von Benommenheit führt. Das Herz fängt an zu rasen (Tachykardie), was wiederum Panik auslösen kann. Besonders häufig ist die Übelkeit; im schlimmsten Fall endet die Fahrt in einer Cannabis-Überdosierung mit Erbrechen. Das ist die Art und Weise, wie der Körper versucht, die „Giftstoffe“ loszuwerden, obwohl THC an sich nicht toxisch im Sinne einer klassischen Vergiftung ist.

Psychisch kann es zu einer extremen Desorientierung kommen. Man verliert das Zeitgefühl oder bekommt das Gefühl, die Kontrolle über den eigenen Körper zu verlieren. Diese Angst verstärkt die körperlichen Symptome, was zu einem Teufelskreis aus Panik und Herzrasen führt.

Die Rolle der Leber und das 11-Hydroxy-THC

Warum fühlen sich Getränke oft „stärker“ oder „krankmachender“ an als das Rauchen? Das liegt an der Chemie in deinem Körper. Wenn THC geschluckt wird, wandert es über die Leber. Dort wird es in eine andere Form umgewandelt: das 11-Hydroxy-THC. Diese Verbindung ist deutlich potenter als das normale THC und kann leichter die Blut-Hirn-Schranke passieren.

Das Ergebnis ist eine intensivere und länger anhaltende Wirkung. Während ein Joint nach ein paar Stunden abklingt, kann ein starkes Getränk den Körper über 6 bis 12 Stunden beschäftigen. Wenn man dann noch andere Substanzen wie Alkohol kombiniert hat, verstärkt sich dieser Effekt massiv. Alkohol weitet die Gefäße und beschleunigt die Aufnahme von THC, was das Risiko für Übelkeit und Kreislaufprobleme drastisch erhöht.

Eine surreale Darstellung eines Greening Out mit verzerrten Farben und Mustern.

Vergleich: Rauchen vs. Getränke beim Risiko

Unterschiede in der Wirkung und Risiko zwischen Konsumarten
Merkmal Rauchen / Vaporisieren Cannabis-Getränke
Wirkungseintritt Sofort bis wenige Minuten 30 bis 90 Minuten
Dauer des Highs Kurz bis mittel (2-4 Std.) Lang (6-12 Std.)
Überdosierungsrisiko Gering (man hört auf zu ziehen) Hoch (verzögerte Wirkung)
Hauptmetabolit Delta-9-THC 11-Hydroxy-THC

Wie man ein zu starkes High abfängt

Wenn du merkst, dass du „zu hoch“ bist und dich krank fühlst, ist das Wichtigste: Ruhe bewahren. Du wirst nicht sterben, und das Gefühl wird vorbeigehen. Hier sind ein paar konkrete Schritte, die helfen:

  1. Viel Wasser trinken: Das hilft dem Körper, den Kreislauf zu stabilisieren und spült das System durch.
  2. Frische Luft: Öffne ein Fenster oder geh eine Runde langsam spazieren. Der Sauerstoff hilft gegen das Benommenheitsgefühl.
  3. Zucker essen: Ein Stück Schokolade oder ein Glas Saft können helfen, den Blutzuckerspiegel zu heben, was oft das Schwindelgefühl lindert.
  4. CBD nutzen: Falls vorhanden, kann CBD (Cannabidiol) die Wirkung von THC abmildern. Es wirkt wie ein Gegenspieler und kann die Panikattacken reduzieren.
  5. Ablenkung: Leg dich hin, hör ruhige Musik oder schau eine leichte Serie. Je weniger du dich auf die Symptome konzentrierst, desto schneller sinkt das Stresslevel.
Eine Person ruht sich mit einem Glas Wasser und Schokolade in einem hellen Raum aus.

Prävention: So vermeidest du das „Krankwerden“

Damit aus einem entspannten Abend kein Albtraum wird, solltest du bei Cannabis-Getränken eine ganz andere Strategie fahren als beim Rauchen. Die goldene Regel lautet: „Start low and go slow“.

Beginne mit einer sehr geringen Menge, zum Beispiel nur einem Viertel eines Getränks, falls es stark dosiert ist. Warte dann mindestens zwei volle Stunden, bevor du entscheidest, ob du mehr möchtest. Setz dir einen Timer auf dem Handy. Das verhindert das impulsive Nachdosieren, während die erste Portion noch auf dem Weg zur Leber ist.

Achte auch auf deine Ernährung. Ein leerer Magen beschleunigt die Aufnahme und kann die Wirkung aggressiver machen. Ein leichter Snack vor dem Drink sorgt für eine gleichmäßigere Absorption. Und ganz wichtig: Misch es nicht mit Alkohol, besonders wenn du die Dosierung des Getränks noch nicht kennst. Die Kombination aus Ethanol und THC ist der schnellste Weg in ein Greening Out.

Kann man an einer THC-Überdosierung sterben?

Nein, eine tödliche Überdosierung durch THC allein ist biologisch nahezu ausgeschlossen, da die Rezeptoren im Gehirn gesättigt werden, bevor lebenswichtige Funktionen wie die Atmung beeinträchtigt werden. Das Gefühl, zu sterben (Todesangst), ist jedoch ein häufiges Symptom einer Panikattacke während eines Greening Outs.

Warum wird mir von Cannabis-Getränken so schlecht?

Das liegt an der Wirkung von THC auf das Gleichgewichtsorgan im Innenohr und das Brechzentrum im Gehirn. Zudem kann der starke Blutdruckabfall dazu führen, dass das Gehirn kurzzeitig weniger Sauerstoff bekommt, was Übelkeit und Schwindel auslöst.

Wie lange dauert es, bis das Gefühl des „Krankseins“ vergeht?

Die akute Phase des Greening Outs dauert meist 2 bis 4 Stunden. Da Edibles und Getränke jedoch länger im Körper bleiben, kann ein Gefühl der Benommenheit oder eine leichte Übelkeit bis zu 12 oder sogar 24 Stunden anhalten, je nach Dosierung und Körpergewicht.

Helfen Medikamente gegen die Übelkeit bei einem High?

In den meisten Fällen ist es besser, auf natürliche Mittel wie Wasser, Zucker und Ruhe zu setzen. Medikamente können in Kombination mit THC unvorhersehbare Wechselwirkungen haben. Wenn die Übelkeit extrem ist, hilft oft ein kühler Waschlappen im Nacken oder das Riechen an einer Zitrone.

Ist es gefährlich, wenn das Herz bei einem High rast?

Für einen gesunden Menschen ist das Herzrasen (Tachykardie) nach Cannabis zwar unangenehm, aber meist nicht gefährlich. Es ist eine natürliche Reaktion des Körpers auf das THC. Menschen mit Vorerkrankungen am Herzen sollten jedoch extrem vorsichtig sein oder ganz auf THC verzichten, da die Belastung für das Herz-Kreislauf-System real ist.

Was tun, wenn es nicht besser wird?

In 99 % der Fälle hilft Zeit und Schlaf. Wenn du jedoch feststellst, dass die Symptome nicht abklingen oder du Atemnot bekommst, solltest du nicht zögern, Hilfe zu suchen. Das ist selten der Fall, aber bei einer Kombination mit anderen Medikamenten oder starken Herzproblemen wichtig.

Wenn du eine Person betreust, die ein Greening Out erlebt, bleib ruhig. Deine Ruhe überträgt sich auf die betroffene Person. Vermeide es, die Person zu bedrängen oder ihr ständig zu sagen, dass sie „zu viel genommen hat“. Erinnere sie stattdessen daran, dass es ein chemischer Prozess ist, der bald vorbei ist. Biete ihr Wasser an und schaffe eine sichere, reizarme Umgebung.