Cannabis Lollipoping in der Blütephase: Geht das wirklich?

Cannabis Lollipoping in der Blütephase: Geht das wirklich?
Stell dir vor, du stehst in deinem Growraum und starrst auf deine Pflanzen. Unten wuchern Blätter, die kaum Licht abbekommen, und die kleinen Triebe dort sehen eher traurig aus als vielversprechend. Du hast von Lollipoping gehört - dieser Technik, die angeblich für riesige, hochwertige Buds sorgt. Aber jetzt bist du in der Blütephase. Kannst du die Schere jetzt noch ansetzen, oder riskierst du, deine gesamte Ernte zu ruinieren?
Cannabis Lollipoping ist eine fortgeschrittene Form des Entlaubens, bei der die unteren zwei bis drei Internodien einer Pflanze komplett entfernt werden, um die Energie in die oberen Blüten zu leiten. Im Gegensatz zum einfachen Defoliating geht es hier nicht nur um einzelne Blätter, sondern um das komplette Entfernen von Seitentrieben und „Popcorn-Buds“ im unteren Bereich.

Die schnelle Antwort: Ja, aber mit Vorsicht

Wenn du dich fragst, ob man in der Blüte noch lollipopen kann: Ja, es ist möglich, aber das Zeitfenster ist extrem klein. Wenn du erst in der späten Blüte merkst, dass unten alles zu dicht ist, ist es meistens zu spät. Der ideale Zeitpunkt für das Lollipoping ist eigentlich das Ende der vegetativen Phase oder die ersten zwei Wochen der Blüte. Wenn du jetzt gerade erst damit startest, musst du genau wissen, was du tust, damit die Pflanze nicht in einen Stresszustand gerät.

Warum man Lollipoping überhaupt macht

Pflanzen haben eine begrenzte Menge an Energie. Wenn sie diese in winzige Blüten ganz unten investieren, die sowieso nie genug Licht bekommen, verschwendest du Ressourcen. Durch das gezielte Entfernen dieser unteren Partien zwingst du die Pflanze, ihre Nährstoffe und Hormone in die oberen Etagen zu schicken. Das Ergebnis sind größere Hauptcolas und eine bessere Luftzirkulation.

Ein riesiges Problem in vielen Grows ist die Luftfeuchtigkeit im unteren Bereich. Wenn die Blätter dort wie eine Wand stehen, staut sich die Luft. Das ist die perfekte Einladung für Schimmel oder Mehltau. Wenn du den unteren Bereich „ausmistest“, kann die Luft frei zirkulieren, was besonders in der späten Blütephase überlebenswichtig ist.

Das Risiko beim Lollipoping während der Blüte

Warum warnen so viele Grower vor dem radikalen Schnitt in der Blüte? Weil die Pflanze in dieser Phase auf maximale Produktion programmiert ist. Jeder größere Eingriff kann einen Stress-Reiz auslösen. Wenn du zu viel wegschneidest, riskiert du folgendes:

  • Hermaphroditismus: Starker Stress kann dazu führen, dass die Pflanze plötzlich männliche Blüten bildet, was deine gesamte Ernte mit Samen vollstopft.
  • Wachstumsstopp: Die Pflanze muss Energie aufwenden, um die Wunden zu heilen, anstatt THC und Terpene in die Blüten zu pumpen.
  • Nährstoffstress: Da Blätter auch als Speicher für Nährstoffe dienen, kann ein zu radikaler Schnitt zu Mangelerscheinungen führen.

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Bekannter hat in Woche 4 der Blüte fast die Hälfte seiner unteren Triebe weggeschnitten, weil er dachte, er würde so seine Ernte verdoppeln. Das Ergebnis? Die Pflanze hat zwei Wochen lang nicht gewachsen, weil sie mit dem Schock beschäftigt war. Am Ende waren die Buds kleiner als wenn er gar nichts getan hätte.

Konzeptbild eines Energieflusses, der Nährstoffe in die oberen Blüten einer Pflanze leitet

Schritt-für-Schritt: So gehst du in der Blüte vor

Wenn du dich entscheidest, jetzt noch zu lollipopen, dann mach es strategisch. Cannabis Lollipoping sollte in der Blüte eher ein „Aufräumkommando“ als eine radikale Operation sein.

  1. Prüfe die Woche: Wenn du in Woche 1 bis 3 der Blüte bist, ist das Risiko gering. Ab Woche 5 solltest du die Schere fast nur noch für einzelne, tote Blätter benutzen.
  2. Die 20%-Regel: Entferne niemals mehr als 20 % der gesamten Blattmasse auf einmal. Die Pflanze braucht ihre Sonnenkollektoren, um die Energie für die Buds zu liefern.
  3. Fokus auf die untersten 20 %: Schau dir die Pflanze von der Seite an. Alles, was im untersten Fünftel der Pflanze wächst und kaum Licht bekommt, kann weg.
  4. Nur gesunde Schnitte: Benutze eine sterilisierte Schere. Ein zerquetschter Stängel ist eine offene Tür für Krankheitserreger.
  5. Beobachtung: Warte nach dem ersten Schnitt drei Tage ab. Wenn die Pflanze keine gelben Blätter zeigt oder die Spitzen krümmt, kannst du vorsichtig weitermachen.
Vergleich: Lollipoping vs. Defoliating in der Blüte
Merkmal Lollipoping Defoliating (Entlauben)
Ziel Entfernung ganzer Triebe/Zonen Entfernung einzelner Blätter
Intensität Hoch (radikaler) Niedrig bis Mittel
Bester Zeitpunkt Ende Vegi / Frühe Blüte Regelmäßig während der Blüte
Risiko Höherer Stress für die Pflanze Geringes Stressrisiko
Nutzen Maximale Energie für Top-Buds Bessere Lichtdurchlässigkeit

Die Rolle der Lichtintensität

Ob Lollipoping in der Blüte Sinn ergibt, hängt stark von deinem Licht ab. Wenn du extrem starke LED-Panels hast, dringt das Licht oft nicht tief genug in das dichte Blattwerk ein. In diesem Fall ist das Entfernen der unteren, „nutzlosen“ Bereiche fast schon Pflicht, da diese Teile der Pflanze ohnehin nur Energie verbrauchen, ohne etwas beizutragen.

Bei schwächerem Licht oder älteren HPS-Lampen ist die Lichtverteilung anders. Hier kann es passieren, dass du Teile entfernst, die eigentlich noch effizient Photosynthese betreiben. Frage dich immer: „Bekommt dieser Trieb wirklich Licht?“. Wenn die Antwort „Nein“ ist, ist er ein Kandidat für die Schere.

Nahaufnahme einer sterilisierten Schere, die vorsichtig einen unteren Trieb entfernt

Häufige Fehler, die du vermeiden solltest

Ein klassischer Fehler ist das sogenannte „Over-pruning“. Das passiert, wenn Grower so besessen von der Idee der perfekten Luftzirkulation sind, dass sie die Pflanze fast kahl schneiden. Eine Pflanze ohne Blätter kann keine Zucker produzieren. Ohne Zucker gibt es kein Wachstum und keine Terpene. Dein Ziel ist eine luftige Struktur, kein Skelett.

Ein weiterer Fehler ist das Lollipoping direkt vor der Ernte. In den letzten zwei Wochen der Blüte will die Pflanze alles in die Blüten stecken. Jeder Schnitt jetzt ist kontraproduktiv und kann die Terpenproduktion stören. Die Zeit für strategische Schnitte ist dann definitiv vorbei.

Kann ich Lollipoping in Woche 6 der Blüte noch machen?

Das ist nicht empfehlenswert. In Woche 6 ist die Pflanze voll im Produktionsmodus. Ein radikaler Schnitt würde die Pflanze unnötig stressen und könnte die Qualität der Buds beeinträchtigen. Konzentriere dich jetzt nur noch auf das Entfernen von komplett gelben oder abgestorbenen Blättern.

Was passiert, wenn ich zu viel wegschneide?

Die Pflanze kann in einen Schockzustand geraten. Das führt oft zu einem Wachstumsstopp oder im schlimmsten Fall zur Bildung von männlichen Pollensäcken (Hermaphroditismus), da die Pflanze versucht, ihre genetische Linie aus Not zu retten.

Hilft Lollipoping wirklich gegen Schimmel?

Ja, indirekt. Indem du das dichte Blattwerk im unteren Bereich entfernst, kann die Luft viel besser zwischen den Stielen zirkulieren. Da Schimmel (Botrytis) vor allem in feuchten, windstillen Zonen gedeiht, reduziert Lollipoping das Risiko erheblich.

Muss ich nach dem Lollipoping mehr düngen?

Nein, im Gegenteil. Da du die Blattmasse reduzierst, hat die Pflanze weniger „Verbraucher“. Behalte deinen normalen Düngungsplan bei und beobachte die Blattspitzen. Wenn sie sich kräuseln, reduziere die Dosis lieber etwas.

Gilt Lollipoping für alle Sorten?

Grundsätzlich ja, aber Indicas mit sehr kompaktem Wuchs profitieren mehr davon als Sativas, die ohnehin eher luftig wachsen. Bei sehr kleinen Pflanzen solltest du jedoch extrem vorsichtig sein, da jeder Blattverlust hier stärker ins Gewicht fällt.

Nächste Schritte und Troubleshooting

Wenn du merkst, dass deine Pflanzen nach dem Schnitt plötzlich gelbe Blätter an den oberen Etagen bekommen, hast du wahrscheinlich zu viel entfernt. In diesem Fall: Finger weg von der Schere für den Rest des Zyklus und gib ihnen eine leichte Gabe an Stickstoff, um die Regeneration zu unterstützen.

Für die nächste Runde: Plane das Lollipoping bereits in der späten vegetativen Phase ein. Wenn du die unteren Triebe entfernst, bevor die Blüte überhaupt startet, kann die Pflanze die neue Energieverteilung optimal nutzen, ohne dass du während der kritischen Blütephase eingreifen musst. Das ist der sicherste Weg zu einer massiven Ernte mit Top-Qualität.